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Gebäudehülle

Dämmung im Vergleich: Dach, Fassade oder Kellerdecke zuerst?

Dämmen spart bis zu 19 % Heizenergie — aber zwischen der günstigsten und der teuersten Maßnahme liegt beim Preis mehr als der Faktor zehn. Welche Reihenfolge sich rechnet, mit Zahlen von co2online statt Bauchgefühl.

Stand: 4. September 2026Lesezeit: 8 Min.Alle Zahlen mit Quelle

Sanierte Hausfassade mit neuen Holzfenstern in hellem Wärmedämmverbundsystem
Gedämmte Fassade mit neuen Fenstern: der größte Einzelhebel an der Gebäudehülle. Foto: seier+seier (CC BY) · Quelle
bis 19 %
weniger Heizenergie durch Fassadendämmung
co2online
ab 20 €/m²
oberste Geschossdecke — die günstigste Dämmung
co2online
15–20 %
BAFA-Zuschuss auf Dämm-Maßnahmen
BAFA
~150 kWh/m²a
Durchschnittsverbrauch im Bestand (Klasse E)
Verbraucherzentrale

Wo dein Haus Wärme verliert

Jedes Bauteil der Gebäudehülle lässt Wärme entweichen — aber nicht jedes gleich viel, und nicht jedes ist gleich teuer zu dämmen. Die Grafik zeigt, wie viel Heizenergie sich am jeweiligen Bauteil einsparen lässt (Referenz: Einfamilienhaus Baujahr 1983, 130 m², Erdgas — die Standardannahme von co2online):

Keller (unbeheizt) Dach: ~13 % ≈ 300 €/Jahr sparbar Wand: bis 19 % ≈ 440 €/Jahr Fenster: bis 15 % bei 3-fach-Glas Kellerdecke: ~5 % ≈ 70 €/Jahr
Einsparpotenzial an Heizenergie je Bauteil im co2online-Referenzhaus (EFH Bj. 1983, 130 m², Gas). Quellen: co2online-Maßnahmenseiten, Stand 09/2026.

Die vier Maßnahmen im Detail

Oberste Geschossdecke — der Geheimtipp

Wer sein Dachgeschoss nicht beheizt, muss gar nicht das Dach dämmen: Die Dämmung der obersten Geschossdecke bringt eine ähnliche Wirkung für einen Bruchteil des Preises — 20–35 €/m² (nicht begehbar) bzw. 40–80 €/m² (begehbar), oft sogar in Eigenleistung machbar.

Dachdämmung

Für bewohnte Dachgeschosse: Zwischensparrendämmung 70–120 €/m², Untersparren 30–80 €/m², Aufsparren (nur bei Neueindeckung sinnvoll) 130–200 €/m². Ersparnis: rund 13 % Heizenergie, ~300 €/Jahr.

Fassadendämmung (WDVS)

Der größte Einzelhebel — und die teuerste Maßnahme: 160–200 €/m² für ein Wärmedämmverbundsystem mit 14 cm. Ersparnis: bis zu 19 %, ~440 €/Jahr. Sonderfall zweischaliges Mauerwerk: Kerndämmung (Einblasen in den Hohlraum) kostet nur 25–60 €/m² und ist dann fast immer die beste Dämm-Investition am Haus.

Kellerdeckendämmung

Platten von unten an die Kellerdecke kleben oder dübeln: 18–30 €/m², klassische Eigenleistung. Ersparnis: rund 5 %, ~70 €/Jahr — dafür verschwinden auch die kalten Füße im Erdgeschoss.

Das Kosten-Nutzen-Ranking

Um die Maßnahmen vergleichbar zu machen, hier eine Modellrechnung für ein typisches Einfamilienhaus (Annahmen: 80 m² Geschossdecke/Kellerdecke, 100 m² Dachfläche, 150 m² Fassade; mittlere co2online-Preise; Ersparnisse wie oben; ohne Förderung und ohne künftige Preissteigerungen):

Modellrechnung: Investition vs. jährliche Ersparnis — eigene Berechnung auf co2online-Basis, gerundet
MaßnahmeInvest (Modell)Ersparnis/JahrAmortisationUrteil
Oberste Geschossdecke≈ 2.400 €≈ 300 €≈ 8 Jahrezuerst machen
Kerndämmung (falls möglich)≈ 6.400 €≈ 440 €≈ 15 Jahrestarker Sonderfall
Kellerdecke≈ 1.900 €≈ 70 €≈ 27 Jahrebillig + Komfortgewinn
Dach (Zwischensparren)≈ 9.500 €≈ 300 €≈ 32 Jahrebei Ausbau/ohnehin-Sanierung
Fassade (WDVS)≈ 27.000 €≈ 440 €≈ 61 Jahrenur gekoppelt sinnvoll
Die ehrliche Einordnung

Ja, 61 Jahre Amortisation für die Fassade liest sich ernüchternd — und genau deshalb rechnen seriöse Berater anders: Muss die Fassade ohnehin neu verputzt werden (Gerüst steht, Maler kommt), zählen nur noch die Mehrkosten der Dämmung, und die Rechnung kippt ins Positive. Dazu kommen 15–20 % Förderung, steigende CO2-Preise und eine bessere Effizienzklasse beim Verkauf. Merksatz: Dämmen, wenn sowieso saniert wird — und die billigen Maßnahmen sofort.

Die sinnvolle Reihenfolge

  1. Oberste Geschossdecke (falls Dachgeschoss unbeheizt) — bestes Preis-Leistungs-Verhältnis am ganzen Haus.
  2. Kellerdecke — günstig, Eigenleistung möglich, sofort spürbar wärmere Böden.
  3. Kerndämmung prüfen — bei zweischaligem Mauerwerk der Ausnahme-Volltreffer.
  4. Dach und Fassade an Anlässe koppeln — Neueindeckung, Putzschäden, Dachausbau. Vorher lohnt ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP): Er kostet wenig, wird gefördert und erhöht den BAFA-Zuschuss von 15 auf bis zu 20 %.

Wichtig für die Förderung: Der iSFP-Bonus setzt nach der BEG-Reform vom Juli 2026 laut BAFA ein förderfähiges Mindestinvestitionsvolumen von 30.000 € voraus — für kleine Einzelmaßnahmen greift er damit faktisch nicht mehr. Alle Details zur Förderung 2026 →

Was bringt Dämmung bei deinem Haus?

Wohnfläche und Zustand einstellen, Maßnahmen kombinieren — der Rechner zeigt Kosten, Ersparnis und Amortisation auf einen Blick.

Zum Wärmepreisrechner

Häufige Fragen

Welche Dämmung sollte man zuerst machen?

Nach Kosten-Nutzen meist: oberste Geschossdecke → Kellerdecke → (Kerndämmung, falls möglich) → Dach und Fassade gekoppelt an ohnehin anstehende Arbeiten.

Wie viel Heizenergie spart Dämmung wirklich?

co2online beziffert für das Referenz-EFH (Bj. 1983, 130 m², Gas): Fassade bis 19 % (~440 €/a), Dach ~13 % (~300 €/a), Kellerdecke ~5 % (~70 €/a). Dein tatsächlicher Wert hängt vom Ausgangszustand ab.

Wird Dämmung 2026 gefördert?

Ja — 15 % BAFA-Zuschuss auf Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle, mit iSFP bis 20 % (Achtung: neue Mindestinvest-Hürde, siehe Förder-Artikel). Alternativ 20 % Steuerbonus nach § 35c EStG über drei Jahre.

Lohnt sich Fassadendämmung überhaupt?

Als Solo-Maßnahme bei heutigen Preisen kaum — gekoppelt an eine ohnehin fällige Fassadensanierung ja, weil dann nur die Mehrkosten zählen. Plus Förderung, Wertsteigerung und Schutz vor steigenden CO2-Preisen.