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Heiztechnik

Wärmepumpe im Altbau: Was Feldstudien wirklich zeigen

„Im Altbau funktioniert das nicht" — kaum ein Satz hält sich hartnäckiger. Das Fraunhofer ISE hat jahrelang echte Anlagen in echten Bestandsgebäuden vermessen. Das Ergebnis widerspricht dem Stammtisch deutlich.

Stand: 4. September 2026Lesezeit: 8 Min.Alle Zahlen mit Quelle

Moderne Luft-Wasser-Wärmepumpe als Außeneinheit vor der Hauswand eines Reihenhauses
Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe am Bestandsgebäude — genau das Szenario der Fraunhofer-Feldtests. Foto:
JAZ 3,1
Mittelwert Luft-Wasser-WP im Bestand (Feldtest)
Fraunhofer ISE
1,9 %
Anteil des elektrischen Heizstabs — praktisch irrelevant
Fraunhofer ISE
−805 €/a
Betriebskosten-Vorteil vs. Gasheizung (130-m²-EFH)
Heizspiegel 2025
bis 70 %
staatlicher Zuschuss möglich
KfW 458

Der Feldtest: echte Häuser statt Laborwerte

Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) hat im Projekt „WPsmart im Bestand" 56 Wärmepumpen in bewohnten Bestandsgebäuden über Jahre vermessen — 57 % der Häuser Baujahr 1979 oder älter, überwiegend nur teilsaniert, mit einem mittleren Heizwärmeverbrauch von 110 kWh/m²a. Also genau die Häuser, um die es in der Altbau-Debatte geht.

Die zwei wichtigsten Befunde:

Die Jahresarbeitszahlen im Detail

Die Jahresarbeitszahl (JAZ) sagt, wie viele Kilowattstunden Wärme eine Wärmepumpe aus einer Kilowattstunde Strom macht. Ab JAZ 3 gilt eine Anlage laut Verbraucherzentrale als effizient:

2 3 4 5 Jahresarbeitszahl (JAZ) ab JAZ 3: effizient Luft-Wasser-WP 2,5–3,8 · Mittel 3,1 (29 Anlagen) Erdreich-WP 3,3–4,7 · Mittel 4,1
Gemessene Jahresarbeitszahlen in Bestandsgebäuden, Punkt = Mittelwert. Quelle: Fraunhofer ISE, Abschlussbericht „WPsmart im Bestand" (ohne Ausreißer).

Bemerkenswert: Die Anlagen liefen überwiegend mit normalen Heizkörpern — die mittlere Heizkreistemperatur lag bei 36,9 °C, die maximalen Vorlauftemperaturen im Mittel bei 43,6 °C. Eine Fußbodenheizung ist hilfreich, aber keine Voraussetzung.

Wo es eng wird

Die Effizienz entscheidet über die Wirtschaftlichkeit: Laut Verivox-Analyse heizt eine Wärmepumpe mit JAZ 4 rund 41 % günstiger als Gas — mit JAZ 2,7 sind es nur noch 13 %. Eine schlecht geplante Anlage frisst den Vorteil auf. Deshalb: Fachplanung, hydraulischer Abgleich und ggf. einzelne größere Heizkörper einpreisen.

Kosten und Betriebskosten

Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe im Einfamilienhaus kostet laut co2online 2026 rund 22.500 € inklusive Einbau, Speicher und Pumpe — vor Förderung. Die BEG-Heizungsförderung (KfW 458) übernimmt je nach Boni 30 bis 70 %; bei z. B. 55 % Zuschuss bleiben etwa 10.100 € Eigenanteil. Details zur Förderung nach der Juli-Reform →

Im Betrieb liegt die Wärmepumpe klar vorn (Heizspiegel-Prognose für das Abrechnungsjahr 2025, 130-m²-EFH):

Jährliche Heizkosten im 130-m²-Einfamilienhaus nach Energieträger — Heizspiegel 2025 (co2online)
HeizungKosten/Jahrvs. Wärmepumpe
Wärmepumpe1.265 €
Holzpellets1.455 €+190 €
Fernwärme2.005 €+740 €
Erdgas2.070 €+805 €
Heizöl2.180 €+915 €

Dazu kommen zwei strukturelle Vorteile: Wärmepumpenstrom-Tarife lagen Mitte 2025 bei rund 26,7 ct/kWh (Verivox-Analyse) — deutlich unter Haushaltsstrom — und über § 14a EnWG gibt es zusätzlich Netzentgelt-Rabatte von grob 110–190 €/Jahr (Modul 1; Angabe aus Sekundärquelle, vor Vertragsabschluss beim Netzbetreiber prüfen). Und: Auf Strom fällt kein CO2-Preis an, auf Gas und Öl schon — Tendenz steigend.

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Häufige Fragen

Funktioniert eine Wärmepumpe im Altbau?

Ja — der Fraunhofer-Feldtest maß in überwiegend teilsanierten Häusern (57 % Baujahr bis 1979) Jahresarbeitszahlen von im Mittel 3,1 (Luft-Wasser) bzw. 4,1 (Erdreich). Entscheidend ist die Vorlauftemperatur, nicht das Baujahr.

Muss ich vorher komplett sanieren?

Nein. Die Feldtest-Häuser verbrauchten im Median 110 kWh/m²a — teilsaniert genügt oft. Gezielte Einzelmaßnahmen (Heizkörper, Abgleich, Geschossdecke) bringen mehr als Abwarten.

Was kostet eine Wärmepumpe 2026?

Rund 22.500 € inkl. Einbau im EFH (co2online) — vor Förderung. Mit 30–70 % BEG-Zuschuss sinkt der Eigenanteil erheblich, im Beispiel mit 55 % auf ~10.100 €.

Brauche ich eine Fußbodenheizung?

Nein — die Feldtest-Anlagen liefen überwiegend mit Heizkörpern (mittlere Heizkreistemperatur 36,9 °C, maximaler Vorlauf im Mittel 43,6 °C).

Quellen
  1. Fraunhofer ISE: Abschlussbericht „WPsmart im Bestand" (Feldtest, 56 Anlagen)
  2. Fraunhofer ISE: Folgeprojekt „WP-QS im Bestand" (2019–2024)
  3. co2online: Wärmepumpe — Kosten und Wirtschaftlichkeit
  4. co2online: Heizspiegel 2025 (Heizkosten je Energieträger)
  5. Verivox: Wärmepumpe heizt 41 % günstiger als Gasheizung (07/2025)
  6. KfW: Heizungsförderung 458
  7. Verbraucherzentrale: Heizungsförderung für Bestandsgebäude
§ 14a-Rabattzahlen stammen aus einer Sekundärquelle und sind vor Vertragsabschluss beim Netzbetreiber zu prüfen.