StartRatgeber › Energiepreise

Zukunftsszenarien

Energiepreise: Was steigt wirklich? Belegte Fakten statt Panik

„Energie wird immer teurer" — stimmt das? Für Strom seit drei Jahren nicht. Für Öl und Gas sieht es anders aus, und der CO2-Preis ist erst am Anfang seines Pfads. Hier sind die Zahlen von BDEW, Destatis, DEHSt und UBA — und eine ehrliche Ansage, was sich über die Zukunft belegen lässt und was nicht.

Stand: 4. September 2026Lesezeit: 9 Min.Alle Zahlen mit Quelle

Gaszähler mit Leitung an einer weiß gestrichenen Ziegelwand
Am Gaszähler entscheidet sich, was CO₂-Preis und Weltmarkt dich wirklich kosten. Foto: takomabibelot (CC BY) · Quelle
37,0 ct
Haushaltsstrom je kWh 2026 — drei Jahre in Folge gefallen
BDEW, 08/2026
11,93 ct
Erdgas je kWh 2026 (Einfamilienhaus) — 2016 waren es ~6 ct
BDEW / Verivox
+61 %
Heizöl binnen eines Jahres: 152,50 €/100 l am 04.09.2026
Tecson
55–65 €/t
CO2-Preis-Korridor 2026 — ab 2027/28 übernimmt der EU-Handel
DEHSt

Der Rückblick: drei Energieträger, drei Geschichten

Wer über „die Energiepreise" redet, wirft drei sehr unterschiedliche Kurven in einen Topf. Indexiert auf das Jahr 2017 zeigt sich: Strom hat seinen Krisengipfel hinter sich — Heizöl notiert mehr als doppelt so hoch wie 2017 und ist zuletzt regelrecht explodiert.

100 150 200 2017 2020 2023 2026 Heizöl ≈ 214 Strom ≈ 122
Haushaltsstrom (Strom-Report-Jahresmittel) Heizöl (Statista/Destatis-Jahresmittel; 2026 = Jan–Jul)
Preisindex 2017 = 100, eigene Berechnung aus den Jahresreihen. Quellen: Strom-Report (Strom), Statista/Destatis (Heizöl). Der Tages-Spotpreis für Heizöl lag am 04.09.2026 nochmals deutlich über dem Jahresmittel (Index ≈ 269).

Strom: der Gipfel liegt hinter uns — vorerst

Vom Vorkrisenniveau um 30–33 ct/kWh sprang Haushaltsstrom 2022/2023 auf über 46–47 ct/kWh und fällt seither: 40,2 ct (2024), 39,2 ct (2025), 37,2 ct im Jahr 2026 laut Strom-Report — die BDEW-Strompreisanalyse vom August 2026 nennt fast deckungsgleiche 37,0 ct/kWh. Wer heute als Neukunde wechselt, zahlt laut Verivox teils nur rund 25 ct/kWh. Wichtig für den Vergleich mit anderen Statistiken: Destatis misst den Bestandskunden-Mix und liegt deshalb systematisch höher (40,55 ct/kWh im 2. Halbjahr 2025).

Gas: doppelt so teuer wie vor zehn Jahren

Erdgas kostet Haushalte im Einfamilienhaus 2026 laut BDEW 11,93 ct/kWh. Zum Vergleich: 2016 lag der Verivox-Index bei 6,09 ct/kWh — knapp eine Verdopplung in zehn Jahren. Destatis meldet +79,1 % gegenüber dem zweiten Halbjahr 2021. Eine lückenlose Jahresreihe dazwischen ist frei zugänglich leider nicht verfügbar (das sagen wir lieber ehrlich, als Zahlen zu erfinden).

Heizöl: der Spielball der Weltlage

Heizöl schwankt wie kein anderer Energieträger: 49,90 €/100 l im Corona-Jahr 2020, 132,40 € im Schockjahr 2022, dann Entspannung — und 2026 der nächste Ausschlag: Am 4. September 2026 meldet Tecson 152,50 €/100 l, plus 61 % binnen eines Jahres, getrieben von den Nahost-Spannungen um den Iran-Konflikt. Wer mit Öl heizt, heizt mit der Geopolitik im Tank.

Der CO2-Preis: der planbare Preistreiber

Während Weltmarktpreise schwanken, steigt eine Komponente per Gesetz: der CO2-Preis auf Heizöl und Erdgas. Sein bisheriger und geplanter Pfad:

CO2-Preis auf Brennstoffe (nationales System BEHG, ab 2027/28 EU-ETS2)
JahrPreisStatus
202125 €/tFestpreis (BEHG)
2022–202330 €/tFestpreis
202445 €/tFestpreis
202555 €/tFestpreis
202655–65 €/tVersteigerung im Korridor (seit Juli wöchentlich an der EEX)
ab 2027/28MarktpreisEU-ETS2 ersetzt das nationale System; Preisdämpfung: Zusatzzertifikate ab 45 €/t in Preisen von 2020 (inflationsindexiert, real also spürbar höher)
2030 (Schätzungen)48–80 €/tSzenarien der EU-Kommission laut Ariadne-Report (2022); Modellszenarien dort 50 bzw. 150 €/t, andere Analysen liegen höher

Was heißt das konkret? Mit den Emissionsfaktoren des Umweltbundesamts lässt sich der CO2-Preis direkt in Heizkosten übersetzen (eigene Berechnung, Nettowerte):

Der strukturelle Unterschied

Öl- und Gasheizungen tragen zwei Risiken gleichzeitig: den Weltmarkt (siehe +61 % Heizöl in einem Jahr) und den gesetzlich angelegten CO2-Preispfad. Strom trägt keins von beiden in dieser Form — im Gegenteil, er wird gerade politisch entlastet. Genau diese Asymmetrie ist der Kern jeder seriösen Zukunftsbetrachtung.

Warum Strom die politische Sonderrolle hat

Die 37,0 ct/kWh des Jahres 2026 setzen sich laut BDEW so zusammen: 15,2 ct Beschaffung und Vertrieb, 9,2 ct Netzentgelte, 12,6 ct Steuern, Abgaben und Umlagen. Bemerkenswert: Die Netzentgelte sind gegenüber dem Vorjahr um 1,7 ct gefallen — aber nicht durch den Markt, sondern durch den Bundeszuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten. Über ein Drittel des Strompreises ist Staatsanteil; die Politik kann ihn senken oder steigen lassen.

Für Wärmepumpen-Haushalte kommt ein zweiter Hebel dazu: Spezielle Wärmepumpentarife lagen 2025 laut Verivox implizit bei rund 26,7 ct/kWh — gut 12 ct unter dem Haushaltsstrompreis. Zusätzlich winken über § 14a EnWG Netzentgelt-Rabatte für steuerbare Verbraucher (laut Branchenangaben ca. 110–190 € pauschal pro Jahr oder 60 % Rabatt aufs Netzentgelt; die Details variieren je Netzgebiet).

Was sich über die Zukunft ehrlich sagen lässt

Belegte Zukunftsaussagen — und ihre Grenzen
AussageBelegVerlässlichkeit
Der CO2-Preis auf Öl und Gas steigt weiter — 2026 Korridor 55–65 €/t, danach EU-MarktpreisDEHSt, EU-Kommissiongesetzlich beschlossen
ETS2-Preisniveau 2030 im Band 48–80 €/t, mit Ausreißerrisiko nach obenAriadne-Report (KOM-Szenarien, 2022)Szenario, kein Versprechen
Haushaltsstrom 2035 bei ~38,89 ct/kWh, also etwa heutigem NiveauBMWK-Projektion, zit. n. Strom-ReportPolitikprojektion
„Gas- und Ölpreise in fünf Jahren fast verdoppelt, Wärmepumpenstrom nur 15 % teurer"Verivox-Rückblick (2025)belegter Rückblick, kein Zukunftsbeweis
Konkrete Öl-/Gaspreisprognosen 2030+seriös nicht bezifferbar (Weltmarkt)

Kurz: Niemand kann dir den Gaspreis 2030 nennen — den CO2-Aufschlag darauf schon. Genau deshalb rechnet unser Rechner Zukunftsszenarien nicht mit einer Glaskugel, sondern mit einem einstellbaren Preispfad: Du wählst, wie stark Energiepreise steigen, und siehst sofort, was das für die Amortisation deiner Maßnahmen bedeutet.

Rechne dein eigenes Szenario

Steigende Preise, CO2-Pfad, Sanierungsmaßnahmen: Der Rechner zeigt dir, wann sich was bezahlt macht — mit deinen Annahmen.

Zum Wärmepreisrechner

Häufige Fragen

Steigen die Strompreise immer weiter?

Nein — seit dem Höchststand 2023 (47,01 ct/kWh im Jahresmittel) sind sie drei Jahre in Folge gefallen, auf 37,0–37,2 ct/kWh in 2026. Eine BMWK-Projektion sieht 2035 rund 38,89 ct/kWh, also etwa heutiges Niveau. Aber: Ein Teil der Entlastung ist der Bundeszuschuss zu den Netzentgelten — politisch finanziert, kein Marktautomatismus.

Was macht der CO2-Preis mit meiner Gasrechnung?

2026 liegt er im Auktionskorridor 55–65 €/t, das entspricht etwa 1,1–1,3 ct/kWh netto. Bei 100 €/t wären es rund 2,0 ct/kWh — bei 20.000 kWh Jahresverbrauch etwa 400 € netto pro Jahr (eigene Berechnung auf UBA-Emissionsfaktoren).

Warum ist Heizöl 2026 so teuer?

Am 4. September 2026 kostete Heizöl 152,50 €/100 l — rund 61 % mehr als ein Jahr zuvor (Tecson). Haupttreiber sind die Nahost-Spannungen um den Iran-Konflikt. Das ist ein Tagespreis, er kann wieder fallen — er zeigt aber, wie direkt Ölheizungen an der Weltlage hängen.

Ist Wärmepumpenstrom wirklich günstiger?

Ja: Verivox errechnete Mitte 2025 für ein Einfamilienhaus 1.337 €/Jahr mit Wärmepumpe (JAZ 4) gegenüber 2.262 €/Jahr mit Gas — 41 % günstiger. Bei schwacher JAZ von 2,7 schrumpft der Vorteil auf 13 %. Wie deine JAZ realistisch ausfällt, erklärt unser Wärmepumpen-Artikel.